Gerhardingerinnen besichtigen Moschee

von Gerhardinger - Redakteur

Moscheebesuch

Im Rahmen ihres Religionsunterrichtes besuchten die drei 7. Klassen der Gerhardinger-Realschule Cham zusammen mit ihren Lehrkräften Veronika Werner und Dominik Speiseder vor Kurzem die neue Moschee in Deggendorf, Ortsteil Fischerdorf. Ziel dieser Fahrt war es, nicht nur dem Lehrplan gerecht zu werden, sondern sich vor allem ein eigenes Bild von der muslimischen Glaubenspraxis zu machen und somit möglichen Vorurteilen entgegenzuwirken.

Unter fachkundiger Führung von Osman Karabacak, dem 1. Vorsitzenden der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Deggendorf e.V., erlebten die Schülerinnen zwei aufschlussreiche Stunden. So erfuhren sie beispielsweise, dass es sich bei der Moschee in Fischerdorf um einen Neubau handelt, der aufgrund der Flutkatastrophe vor einigen Jahren notwendig geworden war und überwiegend durch Spendengelder muslimischer Gemeindemitglieder finanziert wurde. Als ein besonderes Merkmal des Gebäudes in Fischerdorf erläuterte Karabacak die Unterteilung in Gemeinschafts- und Gebetsbereich. Während sich im Untergeschoss verschiedene Räumlichkeiten wie eine Großküche oder ein Speisesaal für religiöse Festessen sowie ein Aufenthaltsort für die Jugendlichen befinden, betritt man erst im Obergeschoss die religiös bedeutsamen Räume. Nach einem kurzen Blick in die kleine „Koranschule“ und das für die rituellen Waschungen vor dem Gebet vorgesehene Bad, zeigten sich die Mädchen vor allem vom Gebetsraum sehr beeindruckt. Selbstverständlich durfte dieser wie von den gläubigen Muslimen auch von den Besuchern aus Respekt nur ohne Schuhe betreten werden. Ausführlich erläuterte Karabacak die Bedeutung der Kanzel, der Gebetsnische und der wunderschönen Kalligraphien aller wichtigen Prophetennamen, zu denen zum Erstaunen der Mädchen neben Abraham und Noah auch Jesus gehört.

Beim Beantworten der vielen verschiedenen Fragen seitens der Schülerinnen war es Osman Karabacak ein besonderes Anliegen klarzustellen, dass die Ausübung des islamischen Glaubens nicht Zwang bedeute. Jeder muslimisch Geborene entscheide letztlich selbst, ob und wie genau er sich an bestimmte Vorschriften und Rituale halte. Ähnlich wie im christlichen Glauben müsse jeder dies stets mit dem eigenen Gewissen vereinbaren und schließlich am Tag des Jüngsten Gerichts vor Gott selbst verantworten können.

In diesem Sinne erwies sich der Ausflug der Gerhardingerinnen als wichtiger Schritt auf dem Weg zum interreligiösen Lernen und Karabacak  erntete zum Dank für seine Ausführungen großen Beifall.