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20.09.2017 18:41
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Schulgeschichte


Schulchronik: 1900 - 1945

1907 entstand eine 3-klassige Höhere Töchterschule der Armen Schulschwestern im alten Franziskanerkloster; trotz des angeschlossenen Internats blieb die Schülerinnenzahl niedrig.

1911 wurde die Schule auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Heilingbrunner in Mädchenfortbildungsschule umbenannt; man erhoffte sich dadurch mehr Zulauf.

1913 erzwang die Königliche Regierung der Oberpfalz eine erneute Namensänderung in Mädchenmittelschule.

1927 wurde parallel zur 3-stufigen Mittelschule eine 6-klassige Höhere Mädchenschule eingerichtet.

1937 entzogen die Nationalsozialisten den Armen Schulschwestern in Cham die Lehrbefugnis, die Gebäude des Ordens sollten von der Stadt einem geeigneten Zweck zugeführt werden.

1937/38 durften die Schulschwestern noch im Kloster bleiben. Im April 1938, als die Ordensangehörigen auch den Klosterbereich räumen mussten, bot ihnen der jüdische Kaufmann Schwarz sein Anwesen in der Schulstraße zum Kauf an, da er auswandern wollte. Einige Chamer Bürger sorgten durch Spenden dafür, dass die Schwestern das Gebäude erwerben konnten. Dort lebten sie bis November 1950.

Von 1938 - 1944 war zunächst eine BDM-Haushaltungsschule im Gebäude untergebracht und später ein Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend.

Ab Januar 1945 wurden die Räumlichkeiten als Hilfskrankenhaus benutzt.

Im April 1945 dienten sie den amerikanischen Besatzungstruppen als Hospital.

1945 - 1946 waren Klassen der Chamer Oberschule einquartiert.

Ab Herbst 1946 stellte die Stadt Cham die ehemaligen Kloster- und Schulräume als Flüchtlingslager zur Verfügung. "Kampf" im Stadtrat um Neueröffnung der Schule (1945 - 1950) (von Eva Hecht).

2. Oktober 1945: Bekanntgabe, dass die Armen Schulschwestern in Cham beabsichtigten, eine 3-klassige Töchter-Haushaltungsschule zu errichten. Die Stadt begrüßte dieses Vorhaben und war bereit, den Schulschwestern das Schulhaus in der Klosterstraße pachtweise zu überlassen. Uneins war sich der Ausschuss, welchen Preis man für den Rückkauf des Anwesens durch den Orden festsetzen sollte.

29. November 1945: Der Bürgermeister teilte mit, dass dem Antrag der Frau Oberin M. Lojola Huber vom Orden der Armen Schulschwestern auf Rückkauf der Gebäude nicht stattgegeben werden könne, da die amerikanischen Besatzungstruppen die Räumlichkeiten nicht freimachen würden. "An einen Verkauf des Schulgebäudes an den Orden der Armen Schulschwestern ist unter diesen Umständen voraussichtlich nicht zu denken."

Auseinandersetzung im Stradtrat wegen eines Schreibens der Frau Oberin um Rückkauf der Gebäude in der Klosterstraße.

Die Stadt Cham bestritt:

1. dem Orden das Rückkaufsrecht verweigert,
2. das Anwesen 1938 den Eigentümern "mit Schikane abgezwungen"
3. und den Schulschwestern ein Unrecht zugefügt zu haben.

Besonders heftig wies der Bürgermeister den Vorwurf zurück: "dass der Nazi-Staat das Gebäude gekauft habe und es dann der Nazi-Stadt überlassen hat." Außerdem wurde eine Rückgabe des Anwesens bis Ostern 1946, wie von Seiten der Oberin gefordert, als unrealistisch abgelehnt. Man einigte sich im Ausschuss darauf, dem Orden der Armen Schulschwestern grundsätzlich das Rückkaufsrecht zu sichern. In der anschließenden Debatte wurde von einigen Stadträten darauf hingewiesen, dass die Schulschwestern 1938 das Anwesen nie verkauft hätten, wenn ihnen die Nationalsozialisten nicht die Lehrbefugnis entzogen hätten und es daher nur recht und billig sei, dem Orden das Gebäude zu überlassen um großes Unrecht wieder gut zu machen, so dass im Interesse der Erziehung der Kinder die Schwestern erneut tätig werden könnten. Am Ende beschloss man, mit der Ordensgemeinschaft sofort in Verhandlungen zu treten.

25. November 1946
Heftiger Streit während der Stadtratssitzung wegen Rückgabe der Gebäude in der Klosterstraße an den Orden. Einige Mitglieder warfen der Stadt Cham vor, ein Schreiben der Regierung an den Landrat im April 1946 (Rückkauf durch die Schulschwestern) dem Stadtrat vorenthalten und somit unterschlagen zu haben. Der Bürgermeister wies diese Anschuldigung zurück und versprach den Kritikern Akteneinsicht. Brisanter wurde die Angelegenheit noch durch die Tatsache, dass die Schulgebäude vom Staatskommissar für das Flüchtlingswesen beschlagnahmt worden waren. Der 2. Bürgermeister vertrat den Standpunkt: "dass man an der Sache derzeit nichts mehr ändern kann und dass man eben nunmehr trachten muss, die Sache für die Armen Schulschwestern doch noch zu einem guten Ende zu führen."

19. Dezember 1946
Der Bürgermeister verwahrte sich dagegen, die Rückkaufforderung des Ordens verschleppt und ein Regierungsschriftstück unterschlagen zu haben. Er verwies auf die "Belegungsvorgänge" in dem Anwesen in der Klosterstraße seit Eintreffen der amerikanischen Truppen in Cham im April 1945.

6. März 1947
Der Bürgermeister teilte den Stadträten mit, dass der Orden der Armen Schulschwestern am 1. März 1947 für 120.000 Reichsmark die ehemaligen Gebäude in der Klosterstraße zurückerworben habe. Der Begriff Wiedergutmachung wurde in der Notariatsurkunde auf Veranlassung des Bürgermeisters gestrichen und in Rückübertragung geändert.

24. Juli 1947
Die Stadt Cham hatte am 18. Juli 1947 einen Brief der Frau Oberin der Armen Schulschwestern Maria Lojola Huber erhalten. In diesem hatte die Ordensfrau massiv die sofortige Räumung des Flüchtlingslagers gefordert, um das Anwesen erneut für Schul- und Internatszwecke nutzen zu können. Einige Stadträte und der anwesende Flüchtlingskommissar und Landtagsabgeordnete Roiger kritisierten verbale Entgleisungen der Verfasserin (die Oberin hatte von Amis, antiklösterlicher, ja antichristlicher Einstellung Roigers etc. gesprochen). Die angegriffenen Stadtratsmitglieder wiesen auf die problematischen Wohnverhältnisse in Cham hin und dass man die Flüchtlinge, Vertriebenen sowie Ostheimkehrer nicht einfach auf die Straße setzen könne und diese zudem menschenwürdig untergebracht werden müssten. Darüber hinaus sei die Stadt Cham durchaus interessiert, den Schulbetrieb so bald wie möglich wieder aufnehmen zu lassen.

4. Oktober 1948
Der Bürgermeister verlas ein Schreiben des Stadtpfarrers Strohmeier, der im Namen der Pfarrgemeinde Cham, der Katholischen Aktion und der katholischen Vereine der Stadt, besonders der katholischen Elternvereinigung den Stadtrat dringend ersuche, die Frage "Schulschwestern und Haushaltungsschule" auf die Tagesordnung zu setzen. Pfarrer Strohmeier verwies in der Eingabe auf folgende Sachlage: Die Schulschwestern hätten zu den politisch Verfolgten gehört und zuverlässig keine Fragebogen gefälscht. Außerdem warte die Bevölkerung sehnsüchtig auf eine Schule für ihre Mädchen Die Schulschwestern seien seit fast 100 Jahren am Ort tätig gewesen und das Flüchtlingslager in den Schulräumlichkeiten werde nicht abgebaut, sondern noch vergrößert. Nach dem "Vortrag" des Briefes kam es zu heftigen Diskussionen im Stadtrat, wann das Flüchtlingslager geräumt werden könne. Einige Mitglieder unterstellten dem Flüchtlingsbeauftragten indirekt durch ständiges "Auffüllen" der Notunterkunft in der Klosterstraße dessen künftige Nutzung für schulischen Zwecke durch den Orden zu hintertreiben.

9. Oktober 1948
Resolution des Stadtrates Cham an sämtliche zuständigen staatlichen Behörden und Dienststellen (Gouverneur der Militärregierung, Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Landratsamt Cham usw.) mit der Bitte um anderweitige Unterbringung der Flüchtlinge im Anwesen der Armen Schulschwestern.

16. November 1948
Die Stadträte wiesen die an ihnen geübte Kritik anlässlich einer Protestversammlung der Flüchtlinge und Vertriebenen in Cham am 23. Oktober 1948 sie seien "flüchtlingsfeindlich" als ungerechtfertigt zurück. Außerdem teilte der Bürgermeister mit, dass man laut Stadtratsbeschluss vom Oktober 1948 den entsprechenden amtlichen Stellen den Wunsch nach Räumung der Gebäude übermittelt habe.

27. Mai 1949
Der Bürgermeister erklärte, dass die Stadt nun massiv das Freiwerden des Lagers betreibe, so dass eventuell noch im Herbst 1949 der Schulbetrieb durch die Armen Schulschwestern wieder aufgenommen werden könne. Die Flüchtlinge, Vertriebenen etc. sollten in 30 "normalen" Wohnungen einquartiert werden. Problematisch sei allerdings, dass die Betroffenen ihre Unterkünfte im Schulgebäude gegen keine schlechteren tauschen wollten.

PS: Trotz aller Stadtratsbeschlüsse, Eingaben, Leserbriefe etc. konnten die Armen Schulschwestern erst am 16. Oktober 1950 mit dem Unterricht beginnen, nachdem am 14. Oktober 1950, also 2 Tage zuvor, die letzen Bewohner das Haus in der Klosterstraße verlassen hatten.

Ab Schuljahr 2002/2003:
Einführung der 6-stufigen Realschule (R6)

1. August 2009
Die Schulstiftung der Diözese Regensburg übernimmt die Trägerschaft.